Eigentor – Und dann…?

Warum sind bei dieser Fussball Europameisterschaft bisher so viele Eigentore gefallen? Dazu werden aktuell viele Hypothesen aufgestellt. Fakt ist, Eigentore gehören seit jeher zum Fussball und sind meist mit viel Pech verbunden.

Aus der Sicht eines Mentaltrainers ist interessant, wie die Spieler mit dieser speziellen Situation umgehen.

Maximilian Wöber vom österreichischen Team hat nach dem Spiel folgendes gesagt:
«Nach dem Match war es extrem emotional für mich, wie ich es bisher noch nicht erlebt habe, weil man das Gefühl hat, eine ganze Nation im Stich gelassen zu haben».
Ein Gefühl, dass die meisten von uns zum Glück nie erleben werden.

Nach dem Spiel wurde Wöber gemäss Medienberichten von seinen Mitspielern, dem Betreuerstab und seinem Umfeld wieder aufgebaut und gut unterstützt, was ihm bei der Verarbeitung sicher helfen wird. Aber was macht ein Spieler auf dem Feld? Wie geht er während des Spiels mit dieser Situation um? Dann, wenn er allein ist und nicht auf sein Umfeld zurückgreifen kann?

Es ist wichtig, sich nach einem Eigentor schnell wieder auf sein Spiel konzentrieren zu können. Die Aktion kann nicht mehr rückgängig gemacht werden und der Fokus soll nach vorne gerichtet werden. Doch wie gelingt das?

Eine bewährte Methode, um nach einem solchen Rückschlag wieder in den richtigen Rhythmus zu kommen, sind die 4 Phasen nach Löhr:

1.Emotionen/Reaktion 2.Entspannen 3.Verarbeiten/Vorbereiten 4.Ritual

Die erste Phase passiert automatisch. Nach einem solchen Negativerlebnis ist es ganz normal, dass deine Reaktion kurz emotional und negativ ist. Wenn du «scheisse» sagst, ist das zwar nicht positiv, aber trotzdem unterstützen. Denn diese Emotion darf oder muss kurz raus. Wichtig ist, was danach passiert. Bleibst du länger in dieser emotionalen Phase oder schaffst du den Übergang in die zweite Phase.

Die zweite Phase dient der Entspannung. Nein, du sollst dich nicht auf den Boden setzen und meditieren. Dafür reicht die Zeit nicht. Aber 3–4 Mal tief durchatmen kann schon helfen, den Stress etwas abzubauen und ruhiger zu werden. Vor allem dann, wenn du auch neben den 90 Minuten regelmässig mit Atemtechniken arbeitest. Vielleicht hilft dir aber auch, den Fokus kurz auf etwas anderes zu richten. Im Fussball z.B. die Schuhe neu zu binden. Wenn du es schaffst, ruhiger zu werden, kannst du klarer denken und triffst meist bessere Entscheidungen.

Die dritte Phase dient der Verarbeitung und der Vorbereitung. Das heisst, du machst dir kurz Gedanken darüber, was passiert ist und wie du die Situation beim nächsten Mal, allenfalls anders lösen könntest. Vielleicht stellst du auch fest, dass du nichts dafürkonntest (unglückliches Eigentor) und akzeptierst was passiert ist. Du nutzt die dritte Phase, um das Geschehene in einer Kurzfassung zu verarbeiten.

Die vierte Phase kannst du nutzen, um die Aktion mit einem Ritual definitiv abzuschliessen und wieder nach vorne zu schauen. Das kann ein physisches Ritual sein wie z.B. ein Klopfen auf die eigene Brust, es kann aber auch ein kurzes Selbstgespräch sein, wie ein «los, weiter geht’s» oder nur ein Wort wie «Fokus». Im Optimalfall kombinierst du sogar das physische Symbol mit einem kurzen Selbstgespräch. Natürlich ist das aber individuell und im Besten Fall, hast du diesen Ablauf schon vorher eingeübt.

Bist du diese 4 Phasen durchgegangen, hast du keine Garantie den Rest des Spiels den Fokus halten zu können. Aber du erhöhst die Chancen, dass es gelingt. Zudem kannst du auf dein definiertes Ritual zurückgreifen, solltest du wieder in die erste Phase zurückfallen. Das Ritual ist dann eine Erinnerung an dich selbst, dass du die Situation soweit es geht verarbeitet hast und dich nun nach vorne orientieren kannst.

Eigentore sind ein Teil des Fussballs und können jedem passieren. Als Spieler hast du nur begrenzten Einfluss, ob dir das passiert oder nicht. Entscheidend ist, wie du mit der Situation umgehst, denn das kannst du mit dem nötigen Training theoretisch zu 100% beeinflussen.

Hast du das Bedürfnis, besser mit herausfordernden Situationen deines Sports umzugehen? Gerne unterstütze ich dich dabei.

Remo Spuler, Dein Mentalcoach.


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