Ein gutes Beispiel für erfolgreiches Mental Coaching: Stan Wawrinka

Tennis und die Zeit zwischen den Ballwechseln

Aus aktuellem Anlass (Australien Open), ein Blogeintrag für Dich als Tennisspieler. Und natürlich alle anderen Interessierten.

Tennis ist ein aussergewöhnlicher Sport. Die besondere Zählweise lässt zu, dass Du ein Spiel auch gewinnen kannst, wenn Du weniger Games oder Punkte erzielst als der Gegner. Zudem kannst Du Dich jederzeit in ein Spiel zurück kämpfen, was bei Sportarten mit zeitlicher Begrenzung nicht immer möglich ist. Auch speziell ist, dass dieser Sport von sehr vielen Unterbrüchen geprägt ist.

Tatsächlich ist es so, dass der Ball zwischen dem ersten Aufschlag und dem verwerteten Matchball, nur ca. 18% im Spiel ist. Dieser Prozentsatz zeigt eindeutig, dass es im Tennis nicht nur auf die spielerischen Qualitäten ankommt. Genauso wichtig ist es, was Du als Spieler mit den 82% anzufangen weisst, in denen der Ball nicht im Spiel ist. Genau diese 82% interessieren mich als Mentalcoach ganz besonders, bieten sie doch die Möglichkeit der physischen und psychischen Regeneration und Neuausrichtung.

Die psychologischen und mentalen Anforderungen an einen Tennisspieler sind sehr hoch. Ein Spiel kann mehrere Stunden dauern und es ist eine grosse Herausforderung, in dieser Zeit seine Aufmerksamkeit zielorientiert zu lenken. Besonders auch dann, wenn der Ball nicht im Spiel ist. Deshalb solltest Du Dich meines Erachtens mit besagten 82% auseinandersetzen. Es lohnt sich zu hinterfragen: Wie verhalte ich mich in der "spielfreien" Zeit, damit ich die 18% effektives Tennisspielen möglichst erfolgreich meistern kann?

Diese Frage ist auch deshalb wichtig, weil Du Deine Gedanken während eines Spiels aktiv beeinflussen kannst. Deine technischen Fähigkeiten oder Deine Kondition hingegen, sind stabil und während eines Spiels nicht mehr zu beeinflussen.
Viele Elemente des psychologischen und mentalen Trainings können Dir helfen, die Zeit zwischen den Ballwechseln positiv zu gestalten.

Mit Atemübungen kannst Du lernen, Deinen Erregungszustand besser zu regulieren. Hast Du Dich mit Ritualen beschäftigt, findest Du mehr Ruhe und Sicherheit während den "Spielunterbrüchen". Hast Du klare Handlungsziele, weisst Du worauf Du Dich konzentrieren musst. Weisst Du Deine Emotionen zu kontrollieren, bist Du fokussierter. Führst Du Selbstgespräche die unterstützend wirken, bleibst Du motiviert und hast eine gute Körpersprache. Kannst Du vergangene Spielsituationen in kurzer Zeit reflektieren, daraus lernen und abschliessen, kannst Du Dich auf die nächste Aufgabe konzentrieren. Kannst Du Deine Aufmerksamkeit zielorientiert lenken, findest Du auch die notwendige psychische Erholung. Kannst Du visualisieren, nutzt Du das, um Deinen taktischen Plan zu verfolgen. Beschäftigst Du Dich im Vorfeld mit möglichen Szenarien, wirst Du im Spiel weniger überrascht und so nicht aus der Bahn geworfen. Lernst Du Deine Gedanken wahrzunehmen, kannst Du auch lernen sie zu steuern.

Nur wenn Du in den Unterbrüchen die notwendige Erholung findest, kannst Du über mehrere Stunden in den Ballwechseln konzentriert sein.

Grundsätzlich gilt zu sagen, dass jeder Spieler individuell herausfinden sollte, was ihm persönlich hilft. Nicht allen dient es, bei der Vorbereitung auf einen Aufschlag sein Trikot zu zupfen (Hewitt). Es hilft auch nicht allen, zwischen den Games den Griff neu zu wickeln (Gasquet) oder die Trinkflaschen Millimeter genau zu positionieren (Nadal). Es gibt Spieler, denen es mehr behagt, während den Unterbrüchen äusserlich etwas ruhiger zu sein (Federer), oder welche, die die Interaktion mit dem Publikum suchen (Kyrgios).

Wichtig ist, dass Du herausfindest, wie Du Dich optimal auf Deinen nächsten Ballwechsel vorbereiten kannst. Gerne unterstütze ich Dich dabei.

Remo Spuler, dein Mentalcoach.

Aus Gründen der Vereinfachung wird in diesem Artikel nur die männliche Schreibweise verwendet.

Über den Autor Remo Spuler

Ich bin Remo Spuler, 1982 geboren und lebe zusammen mit meiner Frau in Neuendorf im Kanton Solothurn. Ich bin seit frühester Kindheit sehr sportbegeistert und geniesse noch heute diverse Sportarten aktiv oder passiv als Zuschauer. Mit den Jahren nahm auch mein Interesse an den psychologischen Prozessen im Sport zu. Ich begann mich dafür zu interessieren, wieso selbst bei professionellen Sportlern starke Leistungsschwankungen keine Seltenheit sind. Oder weshalb die Top-Athletinnen und -Athleten im entscheidenden Moment fast immer die Oberhand behalten. In einer Zeit, in der physisch, technisch und taktisch fast keine Unterschiede mehr auszumachen sind, muss es wohl an der mentalen Stärke liegen.